Sonntag, 26. Oktober 2008

Die Geschichte von der Baumfrau

Solange sie denken konnte wohnte Riwa in dem kleinen Dorf, in dem Haus ihrer Eltern. Nur kurze Zeit war sie fort, und das musst auch sein, weil sie sich mit ihrer Mutter nicht gut verstand. Aber damals bekam man nicht schnell mal eine Wohnung. Also verließ sie das elterliche Haus erst mit Ende zwanzig für ein paar Jahre, bis sie zurück kommen musste, weil sie krank geworden war.
Immer, wenn sie am Fenster stand, und auf der gegenüberliegenden Straßenseite den Hang nach oben blickte, sah sie "ihren Baum". Sie kannte dieses Baum so gut, weil sie ihn als Kind jeden Tag besucht hatte, so viele Jahre.........Wie oft war sie die starken Äste hinaufgeklettert, manchmal sogar bis in die Spitze, von wo sie ihr Haus sehen konnte,...und die Bucheckern pflückte, sie hinunter warf zu ihren Freundinnen, die sie dann zusammen knabberten.
So richtig bewußt war ihr damals noch nicht, dass dieser Baum, für sie, etwas Besonders war, sein, und ewig bleiben würde.
So stand sie nur, Jahr für Jahr, mit wehmütigem Blick am Fenster, sehnte sich nach dem Baum, und wußte nicht, ob sie die Kraft aufbringen würde ihn noch einmal zu besuchen, was sie sich doch so sehentlich wünschte.
Eines nachts hatte Riwa einen Traum. In diesem Traum fiel es ihr so leicht den Hang nach oben zu steigen, über die Wiesen zu rennen und ihren Baum zu umarmen. Als sie dann endlich vor ihm stand, blieb sie in Ehrfucht stehen, schaute ihn an,...eine ganze Weile. Da öffnete sich der Baumstamm, und wie aus einer Tür trat eine alte Frau. Sie war so freundlich, und machte eine auffordernte Geste doch näher zu kommen. Riwa ging zu ihr. Die Frau sah Riwa in die Augen, und sagte ganz leise:"Geh, lege Deine Arme um meinen Stamm." Und als sie ihn so umarmte, verschmolz sie mit ihm, wurde Eins, streckt ihre Arme in die weitverzweigten Äste gen Himmel, ihre Beine und Füße durchstießen das Erdreich bis tief in die Erde hinein mit den Wurzeln des Baumes. Sie spührte die kühle Erde, fühlte den Energiestrom, der durch den Baum floß,....sie war der Baum.......
Eine Zeit lang freute sie sich über dieses völlig neue Gefühl, streckte die Äste aus, griff mit ihnen nach den Wolken, lies die Blätter im Wind singen, und stampfte mit den Wurzeln durch die Erde. Doch plötzlich wurde sie nach oben gerissen, wo es nur so strahlte vor Licht, und sie floss hinhein in das Licht, wurde eins mit ihm,.... mit Allem was ist..........
Dann sah sie einen Regenbogen, dem sie immer näher kam, und sie wußte, das das eine Brücke war, zu etwas, was sie kannte, wonach sie sich sehnte. So ging sie ein Stück auf ihm, doch da hörte sie eine Stimme, die sagte:"Du muss jetzt zurück! Du bist noch nicht bereit weiter zu gehen. Später....". Sie ging zurück durch das Sein, in den Baum, zumr Tür hinaus und stand wieder vor der Baumfrau. Riwa wußte genau, was ihr heute geschenkt wurde, und sie bedankte sich herzlich bei ihr, in dem Wissen, dass sie jeder Zeit wieder kommen konnte.
Als Riwa dann aufwachte, ging ihr der Traum nicht mehr aus dem Kopf, und sie versuchte Pläne zu machen, Lösungen zu finden, wie und wann sie endlich wieder zu "ihrem Baum" gehen konnte. Aber sie wußt auch, dass es noch eine Zeit dauern würde, bis sie soweit war, bis ihr Körper ihr die Kraft gab, die sie brauchte, um über die Wiesen, und gar den Hang hoch zu laufen. Also lernete sie Geduld, vor allem mit sich selbst.
Es hatte einige Jahre gedauert, in denen sie lernte mit den
Schwächen ihres Körpers umzugehen, sie teilweise sogar zu überlisten, und die Umstände, auch wenn sie Anderen und anfangs auch ihr selbt, nicht so schienen, waren gut zu ihr.
So wagte sie es dann endlich, weil sie den Traum und die Baumfrau nicht vergessen konnte, und machte sich auf den Weg. Auch wenn die Beine schmerzten, und sie öfteers Pause machen musste, ging sie Schritt für Schritt nach oben,...zu ihrem Baum,....ging langsam über die Wiesen, wo sie der Wind begleidetet, ihr Mut machte, und da sah sie ihn endlich, kam ihm immer näher und umarmte ihn. Dieses unfassbare Glücksgefühl ihrer wundervollen, starken Buche wieder so nache sein zu können, war einfach überwältigend, dass sie die Tränen, Tränen der Freude, nicht mehr zurückhalten konnte, sie liefen den Baumstamm hinunter,....und das war ihr Geschenk, was sie dem Baum mitrgebracht hatte,....ihre Tränen....
© Eine Geschichte von
Rosi Sanchez Garcia


Kommentare:

orange hat gesagt…

... das ist eine sehr schöne und nachdenklich stimmende Geschichte, die du hier erzählst. Die Fotos geben ihr einen passenden Rahmen.
Ich wünsche dir einen guten Wochenstart - LG
Isabella.

Grey Owl Calluna hat gesagt…

Hallo Isabella!
Ich war grad eben bei Dir......
....und die Geschichte ist, so zu sagen "echt".
Liebe Grüße
Grey Owl

Marina hat gesagt…

HAst Du es erlebt?
Du hast Glueck.
Marina

Ps
Hast Du schon etwas aus Italien beKommen?

Kvelli hat gesagt…

Wunderschöne, einfühlsame Bildergeschichte, gefällt mir gut!
Lieben Gruß am Montag
Kvelli

Ashmodai hat gesagt…

Wie schön...
Und noch eine wahre Geschchte. :)

Grey Owl Calluna hat gesagt…

Hallo Ihr Lieben!
Ich freue mich, wenn Euch meine kleine Geschichte gefallen hat.
Da hatte ich auch endlich mal Ruhe und Zeit dafür!
Und so schön, könnte es immer sein,....wenn da nicht "dies und das " wäre......
Ich wünsche Euch allen einen wunderschönen Tag,...auch wenn dass Wetter heute eher nicht so aufhellend ist.
Grey Owl

der Gauzibauz hat gesagt…

Liebe Rosi,

was hast du da für einen schwarzen Panther im Baum auf dem ersten Foto?

Grey Owl Calluna hat gesagt…

.....weiss Du, dass ich den noch gar nicht gesehen habe....
So unterschiedlich ist die Wahrnehmung der Menschen......hmmm..
Ich hatte mich da voll auf das Licht konzentriert,....beim fotographieren.
Liebe Grüße, schlaf gut!
Rosi

Grey Owl Calluna hat gesagt…

.....der Geist des "schwarzen Panthers" hat mich also begleitet, auf meinem Weg in die Vergangenheit, denn er war mein Lieblingstier,...als Kind, ...wenn mich jemand fragte...

Elfe hat gesagt…

Liebe Grye Owl

Wunderschön und eindrücklich die Geschichte, ein Seelenerlebnis! Auch das Licht-Baumbild ist fantastisch.
Lieben Gruss in die Nacht
Elfe

Grey Owl Calluna hat gesagt…

Hallo, liebe Elfe!
Es freut mich, dass Du Dir die Zeit genommen hast meine Geschichte zu lesen, und vor allem, dass sie Dir gefallen hat.
Da ich meinen Blogg interessanter gestalten möchte, werden bestimmt noch einige solche Geschichten folgen....
Liebe Grüße
Grey Owl

sonja hat gesagt…

wunderschön! danke fürs erzählen!!!!
wenn man bedenkt, daß ejder stein und jede pflanze und jeder mensch so eine geschichte zu erzählen hätte...
liebe grüße, sonja

Grey Owl Calluna hat gesagt…

Danke auch Dir, liebe Sonja!!!
Liebe Grüße
Grey Owl