Donnerstag, 12. November 2009

Spätzünder

Ja, der war ich schon immer. Die Beiträge zum Mauerfall sind ja eigentlich nun durch. Aber wir haben hier noch zwei Fotos gefunden, die kurz nach der Wende aufgenommen wurden, als Jörg noch als Stabsunteroffizier unterwegs war.
(Die Fotos sind schon so undeutlich aufgenommen)
Eigentlich wollte ich dazu auch keinen Beitrag bringen, weil ich einfach nicht mehr daran denken mag.
Einer der Gründe ist wohl der, dass sich vieles anders entwickelt hat, wie die Menschen es sich an diesem denkwürdigen Tag erhofft hatten. Hier zu Hause wird auch immer noch genug darüber diskutiert.

Die Unterschiede, die immer noch gemacht werden, kann ich eigentlich nicht verstehen.
40 Jahre, egal auf welcher Seite der Mauer, prägen natürlich die Leute. Das ist doch klar.

Wir sind doch aber alle Menschen!
Deshalb konnte ich auch solche Sätze w
ie:"Die im Osten sollen erst mal das Arbeiten lernen!" nicht verstehen.
Währenddessen im Westen das Wirtschaftswunder seine Blüte erlebte, produzierten unsere Betriebe nur das Beste gegen Devisen. Dann kamen die Russen, als Besatzugnsmacht, holten den Rest von uns raus, und was dann noch übrig blieb, bekam die Bevölkerung.
Trotzdem will ich mich nicht beklagen und die Mauer will ich garantiert nicht wieder hoch ziehen. Die Welt hat sich weiter bewegt, vieles verändert. So sollten sich auch unsere Einstellungen ändern, anpassen, an das Geschehen. Alte Ängste sollten endlich beseitigt werden. Wir haben jetzt eine andere Zeit und die Angst vor den "Roten" ist nun wirklich nicht mehr angebracht. Und vielleicht wären genau "Die" ein Stück der Lösung, damit es der Bevölkerung besser geht.

Auch wenn man uns Spitzel in´s
Haus schickte, man uns auf dem Kieker hatte, und wir, als ganze Familie, wäre die Wende nicht gekommen, mit Sicherheit in ein Arbeitslager gesteckt worden wären, .......das was heute mit den Menschen getan wird,......ist nicht viel besser. Aber eines ist sicher, sozialer war die DDR.
Heute, haben die Menschen nur noch "Angst"! Das ganze Leben, von der Wiege bis zur Bare ist ein einziges Arbeitslager, versteckter, manipulierter, die Sklaven drängen sich geradezu nach der Arbeit. Das ist nicht mehr Ware Arbeitskraft gegen Geld, nein, das ganze Leben ist unterwandert mit stillen Botschaften von Anfang bis Ende.
Wer bestimmt denn, was in Kindergärten, Schulen und Universitäten gelehrt wird? Der, der die Macht hat. Also lernen wir das, was wir sollen, um schön brav Männchen zu machen und das Stöckchen zu holen.

Kommentare:

juwi hat gesagt…

Hallo Rosi,

das Thema "20 Jahre Mauerfall" habe ich bewusst ausgeklammert. In den Medien wurde ja mehr als genug darüber berichtet, und vielleicht ist die Mauer ja in 30 Jahren endlich auch aus den Köpfen der Menschen verschwunden. Dann wäre das vielleicht ein Jubiläum mit einem wirklichen Grund zum feiern, über das es sich lohnt zu schreiben. Aber wer weiß, ob ich dann überhaupt noch auf der Welt bin.

Ich bin davon überzeugt, dass es euch in den "neuen Bundesländern" heute besser ginge, wenn es die Unterschiede nach der Wiedervereinigung nicht gegeben hätte, die seitens der Politik auch heute noch gemacht werden. Wenn es für gleiche Arbeit in der gesamten Bundesrepublik den gleichen Lohn gäbe, dann wären viele dort geblieben, wo sie ihre Wurzeln und ihre Freunde hatten. Die Kommunen hätten höhere Steuereinnahmen gehabt, die sie in die Renovierung der Gebäude und der Verkehrswege hätten investieren können. Ich denke, es wäre besser gewesen mit staatlichen, zinslosen Krediten in ostdeutsche Betriebe zu investieren, als den Menschen weniger Einkommen zuzugestehen, wie im Westen der Republik. Viele Konkurse hätten so vielleicht verhindert werden können.

Darin, wer bestimmt, was in Kindergärten, Schulen und Universitäten gelehrt wird, war die SED allerdings meiner Meinung nach um Längen "besser" als die Parteien in der alten Bundesrepublik. Die SED hatte die absolute Macht in der Deutschen "Demokratischen" Republik. Wer abseits vom, oder gegen den Strom schwamm, musste, soweit mir bekannt ist, immer auf der Hut vor Repressalien sein. Und ob es besonders sozial war, Menschen mit abweichenden Meinungen als politische Gefangene zu inhaftieren, kann ich auch nicht unbedingt erkennen.

Während der vier letzten Jahre habe ich jedoch auch in der Bundesrepublik eine beängstigende Entwicklung in Richtung Überwachungsstaat beobachten müssen. Allen voran hatte sich die FDP immer darüber empört. Ändern tut sie jetzt jedoch entgegen ihrer Versprechen vor der Wahl auch nichts daran. Ich hoffe, sie bekommt in vier Jahren die Quittung dafür und ich hoffe weiterhin, dass die Menschen aufwachen und wachsam bleiben. Sonst hat sich das mit der Demokratie in Deutschland nämlich irgendwann erledigt.

Obwohl das SED-System keinerlei Rücksicht auf die Umwelt genommen hat, war die Organisation der Mülltrennung und Wiederverwendung der Rohstoffe in der DDR erheblich effektiver als in der BRD. Was in der DDR schon lange Praxis war wurde in der BRD erst mit dem System "Grüner Punkt" eingeführt. Dabei hat der Grüne Punkt aus meiner Sicht bis heute den größten Effekt bezüglich einer nie versiegenden Geldquelle für die Organisation "Grüner Punkt" mit effektiver Mülltrennung und Rückgewinnung von Rohstoffen hatte das noch nie viel zu tun. Ich vermute allerdings, dass das DDR-System der Mülltrennung und Wiederverwertung auch ein Stück aus reiner Notwendigkeit entstanden ist, während es in der BRD eigentlich nur ein "Alibi" für eine müllproduzierende Ex- und Hopp Überflussgesellschaft war und ist.

Es wäre heute vieles besser, wenn das, was in den beiden ehemals getrennten deutschen Staaten jeweils besser lief, vom jeweils anderen übernommen worden wäre.

Grey Owl Calluna hat gesagt…

Jawohl!!!
"Dieses" Jubiläum würde ich auch viel lieber feiern!!

Ich glaube viele hier im Osten würden gerne wieder ein paar DDR-Produkte kaufen. Einige sind ja noch vorhanden.
Ich habe mich auch schon dazu hinreißen lassen eine Bambina-Schokolade zu kaufen.
War ein komisches Gefühl,....man verbindet das ja, auch den Geschmack, mit der Zeit früher...

Ja, das stimmt. Wir haben "nur" den Sozialismus gelernt! Weltoffenheit durfte es nicht geben, demensprechend auch keine Bücher, wie sie sie heute so zahlreich gibt.
Bücher waren eines der ersten Dinge die ich massenweise nach der Wende kaufte.

Sozial war: Arztbesuche und Medikamente waren kostenlos, Grundnahrungsmittel wurden vom Staat unterstützt (die Semmel kam 10 Fennig), die Bus- und Zugfahrten waren billig, auch die Post. Es gab eine Schulspeisung, und Milch in den Pausen für Pfennig. Sozial schwache Familien bekamen ihre Schulbücher umsonst, auch Familien mit vielen Kindern.
Es gab "keine" Entlassungen. Jedr hatte (mußte) arbeiten und bekam seinen Lohn, auch wenn es wenig war.
Es gab wenig, klar.
Hast Du wirklich was dringend gebraucht, hast Du eine "Eingabe" beim Honnie gemacht,...und gewöhnlich auch bekommen,....war aber auch gesinnungsabhängig.

Welche Partei hällt ihre Wahlversprechungen???

Ja, da es an allem mangelte, wurde natürlich nach Möglichkeiten der Wiederverwwertung gesucht.
Wir haben gelernt aus fast nichts etwas zu machen.


Dein letzter Satz trifft genau die Essenz des Ganzen.
Nur geht´s hier nicht um die Leute, für die das alles so gut gewesen wäre, sondern nur um´s Geld, und um Die, die an all dem verdienen ......

Ganz liebe Grüße und Danke für Deinen Kommentar, lieber juwi.
Grey Owl

Anonym hat gesagt…

Hallo GreyOwl!

Dies ist aber eine ehrliche, persönliche Bestandsaufname. Ich kann dazu nichts beitragen. Ich habe vor zwanzig Jahren im Fernsehen fassungslos verfolgt, wie die Mauer "gestürmt wurde". Sehr beeindruckt war ich von den Montagsdemonstrationen in Leipzig, ausgehend von der Nikolaikirche. Ich habe den Mut der Leute bewundert.

Als ich nach der Wende einmal auf der Leipziger Buchmesse war, habe ich auch die Nikolaikirche besucht und an die Montagsdemonstrationen gedacht. Meinen Respekt.

Gruss schlagloch.

Grey Owl Calluna hat gesagt…

Hallo Schlagloch!
Wenn das alles nicht so übertrieben dokmatisch gewesen wäre,......und mal zum Vergleich gegen heutige Politiker, von Schmiergeldern abgesehen, der Honnie hat nicht viel mehr bekommen als heute ein Arbeiter verdient.
Heute gibt es keine Relationen mehr.....

Die Wendezeit in ihren Anfängen war ganz schön gefährlich. Zwischen Neugier hat sich auch Angst gemisch, die durchaus berechtigt war. Denn der Finger zum Schießbefehl für die Truppen gegen die eigenen Leute, lag schon am Abzug.
Jörg war in der Armee, stand unter Waffen und wartete auf den Marschbefehl. Nur gut, dass keiner auf den Konpf gedrückt hat!!
Auf dem Land, hier, war das vielleicht gar nicht "so" gefährlich, aber in den Städten.
Ist schon irre. Oder?
Ganz ehrlich, das Gefühl von damals: flau im Magen, abwarten, bereit sein, wöfür auch immer...
Ganz liebe Grüße
Grey Owl

chiefjudy hat gesagt…

Ich konnte damals gar nicht fassen, was da passiert, ich hätte NIE damit gerechnet, daß dieser kalte Krieg mal aufhört. Ich kann mich noch gut an diverse "Luftschutzübungen" (in den USA) erinnern. Hattet ihr die auch?

Allerdings: Als es dann soweit war, war ich sogar bei Freunden in Halle und hab den 09.11. mit einer Ost-West-Party gefeiert. Sozusagen mein beitrag zur "Volkerverständigung" ;). War gut.

Ich finde es blöd, daß in den Köpfen bei manchen immernoch die Mauer ist. Ich selber habe viele Freunde aus den neuen Bundesländern, aus Sachsen, Thüringen, Brandeburg, und ich finde es schön, daß es so gekommen ist.

Allerdings kann ich auch nicht verstehen, wenn man die DDr-Zeiten glorifiziert, nur weil es heute vielleicht "härter" ist.
Immerhin war es ein totalitärer Staat mit Überwachung, Schießbefehl etc...Also, das deckt sich nicht mit meiner Ansicht von Menschlichkeit, Freiheit und Glück.

Grey Owl Calluna hat gesagt…

Hallo Chifjudy!
Nein, Luftschutzübungen hatten wir nicht. Bunker gab es hier nicht, zumindest nicht für die Bevölkerung.
Für die Menschen war es gut so.

Nur,...was wieder mal daraus gemacht wurde und wird. Aber daran ist nicht der kleine Bürger Schuld, sonder Die, die daran verdienen.

Man sollte sich vor Augen führen, dass es nirgendwo perfekt ist. Immer gibt es (subjektiv)Gutes und Schlechtes. So, wie es auch den Märchenprinzen nicht gibt.....
Es ist nun mal leider so....
Sei lieb gegrüßt
Grey Owl